hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 35/08 vom 27.08.2008

Volkssport

Forschungsratschef Knut Consemüller über die Erfolge der Forschungspolitik der letzten Jahre: Es wurde Awareness geschaffen, viel Fresh Money bereitgestellt. Studienräte und Hauptschullehrer schlagen die Hand über dem Kopf zusammen und fürchten sich vor dem schleichenden Sprachverfall. Dabei hat auch das Deutsche Wörter hervorgebracht, die sich als Exportschlager erwiesen haben, zum Beispiel Wunderkind, Kindergarten, Zeitgeist, Realpolitik oder Volkssport. Was ein Volkssport ist und was nicht, ist natürlich stets dem Zeitgeist unterworfen (momentan gerade im Aufwärtstrend: Plakatvandalismus und Raucherhatz). Wolf Haas schreibt in seinem letzten Graz-Krimi: Selbstmordneid Volkssport Nummer eins. Und Landesrat Seitinger hält fest: Dem Volkssport Schnäppchenjagd muss eine Absage erteilt werden! Überhaupt hat, wer vom Volk spricht, selten Gutes im Sinn, es klingt immer ein bisschen nach FPÖ, nach Volks- und Kulturraum oder Ähnlichem. Auch die Volksgesundheit wird hauptsächlich noch von Esoteriknazis und Ämtern, die dem Volk den Mutter-Kind-Pass nahelegen, erwähnt. Nur die Volkspartei merkt nichts davon und weiß aber auch nicht so genau, wen sie mit Volk meint. Meistens eher die Menschen in Österreich, auf die man mit Seriosität und dem Blick für das Mögliche eingehen will. Weil auch Realpolitik Volkssport ist.


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