hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 36/08 vom 03.09.2008

Sturm und Drang

Seit 1979 dürfen Hurrikane auch weibliche Namen tragen. Sie wiederholen sich alle sechs Jahre, das heißt, dass "Gustav" wieder 2014 kommen könnte, wenn er nicht zum Beispiel durch "Gregor" ersetzt wird. Für NamenskollegInnen können solche Stürme mindestens karrierefeindlich sein: Genauso wie der Song "Die perfekte Welle" von Juli nach der Tsunami-Flutwelle bekam die Band "Katrina and the Waves" nach den Überschwemmungen, die "Katrina" in New Orleans veranstaltet hatte, keinen Fuß mehr auf den Boden. Um beide ist es nicht schade. Jetzt aber wütet Hurrikan Gustav in New Orleans, und das drei Monate nach dem Album des Projekts "Gustav" mit dem Titel "Verlass die Stadt". Zeilen wie "mach aus den Städten Schutt und Asche" finden sich da und gehören zum Schönsten, was in der letzten Zeit das Licht der Musikwelt erblickt hat. Man muss eben darauf hinweisen, dass Kunst und Leben zwar nicht strikt voneinander getrennt werden sollen, aber auch nicht plump und direkt aufeinander bezogen. Sonst kommen auch Sätze raus wie der aus dem Grundsatzprogramm der ÖVP, dass "Spitzenleistungen in Kultur (und Sport) das allgemeine Leistungsdenken ankurbeln", was auf jeden Fall zu begrüßen ist, weil Leistung immer mit einem Preis einhergeht. Der Minna Kautsky-Literaturpreis der Stadt Graz zum Beispiel ist 500 Euro wert, dafür ist er auch nur für Frauen und wird das allgemeine Leistungsdenken nicht wirklich ankurbeln.


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