"Gomorrha", der Film: liebevoll und grausam

Kultur | Maya Mckechneay | aus FALTER 36/08 vom 03.09.2008

In seinem Tatsachenroman "Gomorrha" hält Roberto Saviano fest, dass die Camorra nicht nur die mitgliederstärkste bewaffnete Vereinigung Europas ist, sie habe auch mehr Menschen umgebracht als alle anderen, mehr als die sizilianische oder die russische Mafia, mehr als die ETA oder die IRA. "3600 Tote, allein seit ich geboren bin", rechnet der 29-jährige Journalist vor.

Gemeinsam mit dem römischen Filmemacher Matteo Garrone (siehe Interview) hat Saviano Teile seines Buchs zu einem Drehbuch verarbeitet. Doch "Gomorrha", der Film, hat so gar nichts vom spekulativen Undercover-Reportage-Format des Romans. In fünf ineinander verwobenen Handlungssträngen legt Garrone die moralische Verstricktheit bloß, die Angst, die lodernde Hoffnung und die Resignation, die die Stimmung im bettelarmen kampanischen Hinterland prägen. Wo Saviano eine Liste des Unrechts führt, macht Garrone die Last der Gewalt körperlich spürbar. Sein Ansatz ist dabei zutiefst humanistisch: Es gibt grausame Szenen in


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