Ohren auf

Trompeteninvasion

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 36/08 vom 03.09.2008

Wer sich vom 66-jährigen Trompeter jene Form mimetischer Traditionsverarbeitung erwartet, mit der dieser unlängst in Saalfelden zu hören war, liegt im Falle von "Tab-ligh" (Cuneiform Records) eher falsch. Allenfalls wolkige Fender-Rhodes-Schwaden und repetitive, hier allerdings recht statisch wirkende Bass-Stenogramme ("Rosa Parks") erinnern bei Wadada Leo Smith's Golden Quartet ein bisschen an den elektrifizierten Miles Davis der frühen 70er-Jahre, ansonsten ist von vorwärtstreibender Funkiness nicht viel zu spüren. Das ändert aber nichts daran, dass Drummer Shannon Jackson der heimliche Held des 24-minütigen Titelstücks ist: Während Smith die Materialität des Trompetenklangs mit der Akribie eines Feststoffphysikers erkundet, grundiert Jackson dieses zurückhaltende musikalische Stationendrama mit subtiler Beckenarbeit und brilliert in der Zwiesprache mit dem Bassisten John Lindberg. Ein bisschen Geduld vorausgesetzt, wird der Hörer hier mit Momenten überraschender Poesie


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