Stadtrand

Ein Wiener Fest

Stadtleben | aus FALTER 36/08 vom 03.09.2008

Feste in Wien spiegeln gemeinhin die Größe der sie organisierenden Parteien wider. Das Donauinselfest (SPÖ) ist die größte Freiluftveranstaltung Europas. Das innerstädtische Stadtfest (ÖVP) ist schon deutlich kleiner. Und beim Volksstimmefest (KPÖ) ist jedes Jahr unklar, ob es überhaupt noch stattfinden wird. In diesem Jahr fand es statt, vergangenes Wochenende, traditionell auf der Jesuitenwiese im Prater. Und es war wahrscheinlich nicht anders als alle seine Vorgänger seit Jahrzehnten: Es gab Spanferkel und Steckerlfisch, ein Kasperltheater und unbekannte Wiener Rockbands, deren minutenlange Riffs möglichst nach Deep Purple klingen wollten. Es gab die Nicaragua-Brigadisten, die iranischen Oppositionellen und das Probeabo der einstigen DDR-Staatszeitung "Neues Deutschland". Es gab Unterstützungskomitees für die Maoisten in Nepal und die "befreiten roten Gebiete" auf den Philippinen. Es gab "Soli"-Feigenschnaps um einen Euro. Und billiges Bier. So herrlich anachronistisch. So unverkappt parteiisch. Gehen Sie hin, solange es so etwas noch gibt! J. G.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige