Der gute Mensch

Bernhard Kathan | Vorwort | aus FALTER 37/08 vom 10.09.2008

KOMMENTAR Wie sich die Tierschutzbewegung ihre eigene Welt zurechtzimmert - und ihre Werte absolut setzt.

Manchmal, wenn ich aus dem Haus gehe, hängen an den Bäumen weiße Zettel mit Aufschriften wie "Echtpelz-Trägerinnen leben gefährlich!". Offensichtlich stammen sie von Aktivisten eines Tierschutzvereins, der sein Büro in der Nähe meiner Wohnung hat. Ich trage weder Pelze, noch gehe ich auf die Jagd. Ich betreibe keine "Tierfabrik". Und doch berühren mich solche Drohungen unangenehm. Worte bestehen nicht einfach aus Buchstaben, sie können zu Fleisch werden.

Ohne Zweifel zählt das Tierschutzprojekt zu den erfolgreichsten Unternehmungen des 20. Jahrhunderts; auch dann, wenn heutige Tierschützer nicht müde werden, den Umgang mit Tieren anzuklagen. Die Tierschützer des 19. Jahrhunderts hätten sich wohl nicht vorstellen können, dass die meisten ihrer Forderungen bereits wenige Jahrzehnte später erfüllt sein sollten. Mehr noch, vieles, was wir heute als Tierquälerei begreifen,

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