Buch der Stunde

Vernunft & Irrsinn

Kultur | Jörg Magenau | aus FALTER 37/08 vom 10.09.2008

Das Wagnis, das Jan Koneffke eingeht, ist groß, denn Bücher dieser Art gab es zuletzt im Dutzend: Familiengeschichten vor dem Hintergrund der großen Geschichte, vorzugsweise der beiden Weltkriege. "Eine nie vergessene Geschichte" handelt von der Familie Kannmacher und ereignet sich im pommerschen Ostseestädtchen Freiwalde. Sie wird erzählt von einem Enkel, der die Leerstellen der Überlieferung ausfantasiert. Auslöser ist der Tod der Großeltern und das Schicksal des Großonkels Felix, der wie dessen Bruder Ludwig einst die Apothekertochter Emilie liebte. Als die sich für Ludwig entschied, blieb für ihn nur deren ältere, schnippische Schwester Alma übrig. Kurz vor der geplanten Doppelhochzeit nahm er Reißaus, schloss sich einem rumänischen Pianisten an und ward nie mehr gesehen. Der Vater der Brüder ist ein Studienrat, der sich mit Kant beschäftigt und sich aus Verzweiflung über das Erstarken der Nazis in sein staubiges Studierzimmer zurückzieht. Die Mutter neigt zu krankhafter


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