Donnersulz der Geschichte

Kultur | Erich Klein | aus FALTER 37/08 vom 10.09.2008

LITERATUR In seinem jüngsten Lyrikband dichtet Robert Schindel vom eigenen Dichten und entnazifiziert die Jesuitenwiese.

Das Pathos ist groß in Robert Schindels neuem Gedichtband "Mein mausklickendes Saeculum". An seine gesammelten Gedichte "Fremd bei mir selbst" (2004) oder den vorletzten Band "Wundwurzel" (2005) kommt er dennoch nicht immer heran. Der "jüdische Troubadour, dieser traurige Harlekin, dieser dunkle Humorist aus Wien", wie ihn Marcel Reich-Ranicki einmal titulierte, wirkt bemüht: von allem etwas und vor allem ziemlich herb. Schindel wäre indes kein Dichterprofi, machte er sich nicht dennoch jeden Morgen an die Arbeit: Er hantiert an seinem Outlook, sucht den eigenen Namen auf Wikipedia, all das unter Begleitung von Fürzen, Rülpsern und mit "beträchtlichem Liebshunger". Wenn "endlich Word geöffnet", dann ist der sichtlich um Zeitgenossenschaft bemühte Dichter "in die Welt getreten". Auf seinem Lieblingsschauplatz, dem Schreibtisch - "da liegt mein Fürchten herum".


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige