Nüchtern betrachtet

Ein paar Dinge sind schon okay so

Kultur, FALTER 37/08 vom 10.09.2008

Die Freundin eines Freundes hat mich unlängst praktisch in flagranti ertappt. Jedenfalls habe ich so reagiert, als hätte sie. In Wirklichkeit wäre - ein Mindestmaß an Geistesgegenwart und Kaltschnäuzigkeit vorausgesetzt - alles ganz locker unter den Teppich der Normalität zu kehren gewesen. "Ich muss", hätte ich auf der Augartenbrücke erklären können, "noch schnell einen Porno mit einarmigen Tierärztinnen und Eselhengsten ausborgen gehen." "Ach sooo - ja, dann!", hätte die Freundin des Freundes geantwortet und die Begegnung aus lauter Langeweile vergessen. Sie hätte ihrem Freund nichts davon erzählt, und der hätte jetzt nichts gegen mich in der Hand. Weil ich aber grundsätzlich unter Geständniszwang leide, fiel ich ungefragt mit der Wahrheit ins Haus, was nicht nur ungeschickt, sondern auch schlechter Stil ist: "Ich fotografiere nur den Sonnenuntergang", laberte ich los, "den Regenbogen habe ich schon im Kasten." Die Freundin des Freundes war sichtlich darum bemüht, Ausbrüche

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