Fragen Sie Frau Andrea

Medaillenbeißen

Stadtleben | aus FALTER 37/08 vom 10.09.2008

Liebe allwissende Frau Andrea!

Warum haben fast alle Medaillengewinner in Peking beim Siegerfoto in ihre Medaillen gebissen? Ist chinesisches Edelmetall so geschmacksintensiv? Wonach schmeckt es? Außerdem bedrückt mich die Frage, warum Google eine Suchmaschine ist und kein Suchprogramm. Arbeiten bei der Internetsuche im Hintergrund etwa Pleuel, Hebel und Ventile statt Bits und Bytes?

Beeindruckt, Josef Dollinger, Neubau

Lieber ratsuchender Herr Josef,

der Indexgigant Google, eben Teenager geworden, ist semantisch gesehen weder eine Suchmaschine noch ein Suchprogramm, sondern ein vielfältiges Konzernimperium. Megagooglereich ist die Firma der beiden Stanfordstudenten Sergey Brin und Larry Page bekannterweise für das Auffinden von Information im WWW geworden. Generell spricht man bei den Vernetzungen von Serverfarmen und den Programmen zum Auffinden indizierter Webseiten von Suchmaschinen. Genaugenommen arbeiten nicht Bits und Bytes am Finden von Information, sondern softwaregesteuerte Hardware. Die Sprache greift bei der Darstellung komplexer Mechanismen meist auf Bilder früherer Technologien zurück, hier eben zur Maschine. Einen ähnlichen Griff ins Vergangene beobachten wir auch bei den Medaillenbeißern. Sie imitieren mit dem Ablutschen von Goldmedaillen den Bisstest mittelalterlicher Kaufleute, die den Reinheitsgehalt von Goldmünzen grob am Abdruck ihrer Zähne maßen. Je reiner die Münze, desto weicher, je weicher, desto mehr Gold. Bei modernen Medaillen ist dieser Test schon deswegen sinnlos, weil in den vergoldeten Silberplätschen nicht mehr als sechs Gramm Gold stecken. Wert: dreißig Euro.


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