hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 37/08 vom 10.09.2008

Wahltag ist Wandertag!

Die Straßenbahnfahrerin, die alle Radler, die vor ihr nicht in Tuchfühlung zum rechten (Fahrbahn-) Rand unterwegs sind, dumme Türken nennt, teilt das Dilemma vieler reaktionärer Chauvinisten: Was soll man wählen? Das Original? Die basisverbundene Neuauflage mit dem Kampfgrinsen? Die bekehrten Konservativen, die ihre Xenophobie auch durchsetzen können, weil sie so super regierungsfähig sind? Die Traumschwiegersohnpartei mit dem Kampfblatt der Volksgemeinschaft im Rücken? Oder gleich protestmäßig die nationale Volkspartei, die das alles sehr verwirrend, viel zu multikultiverwaschen und total abzulehnen findet? Leider ist die nicht auf dem Wahlzettel zu finden. Stattdessen steht sie entweder verloren vor ihrem Infostand am Jakominiplatz und öffnet (dem Volk) die Augen oder geht mit dem "verdienten Altspatz Horst" auf Wandertag. Damit beweist sie, dass auch sie verstanden hat, was Hunderte Sommerinterviews (diese bemitleidenswerten Bastarde aus Inquisition und Kaffeetratsch) gezeigt haben: Wandern ist eine nationale Tugend. Der wahre Österreicher ist ein Wanderer (nicht zu verwechseln mit: ZUwanderer). Mit Speckbrot und Bergschuh entfaltet sich der Tugendterror von Disziplin, Durchhaltevermögen und sinnloser Naturverbundenheit. Eine Bewegung, die die Sorgen der Volksschüler und der minderjährigen Töchter und Söhne ernst nimmt, müsste daher vor allem fordern: Sofortiger Wanderungsstopp jetzt!


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