Glosse Kultur

Burgtheater und Jugendschutz: Kein Shakespeare unter 15

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 38/08 vom 17.09.2008

Das dafür zuständige Jugendamt hat vergangene Woche über die „Rosenkriege“ ein Jugendverbot verhängt. Unter diesem Titel ist am Burgtheater eine von Stephan Kimmig inszenierte Königsdramenkompilation, bestehend aus den drei Teilen von „Heinrich VI.“ und „Richard III.“ zu sehen. Die Produktion, so das Urteil der Psychologin des Jugendamts, wirke auf unter 15-Jährige „verstörend“ (auch die mitwirkenden Kinder dürfen nicht alle Szenen sehen).

Jetzt erhebt sich natürlich der Chor der Weltläufigen, skandiert „Com-puter-spiel!“ und „In-ter-net!!“ und tadelt das Urteil als weltfremd und lächerlich. Er tadelt indes zu Unrecht. Das Urteil des Jugendamts ist weise und weitsichtig. Es stachelt die Neugierde bislang bildungsresistenter Teenies an, und es wird nicht lange dauern, bis die sich die „Rosenkriege“-Videos auf YouTube reinziehen.


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