Kommentar Frauenpolitik und Wahlkampf

Frauen sind nicht nur Muttis, sie wollen auch mehr verdienen

Falter & Meinung | Julia Ortner | aus FALTER 38/08 vom 17.09.2008

Hauptsache, die Frau hat eine richtige Familie. Mit lieben Kleinen und – bestenfalls – einem Kerl, aber da sind mittlerweile ja sogar die ÖVPler lockerer geworden: Auch Alleinerzieherinnen werden dort jetzt als vollwertige Wählerinnen umworben. Wer Mutti ist, bekommt in diesem Wahlkampf jedenfalls die ganze Aufmerksamkeit aller Parteien – sie versprechen mehr Familienbeihilfe, bessere Kinderbetreuung, höheres Kindergeld. Wer keine Mutti ist, kriegt hingegen gar nichts. Niemand schert sich derzeit um Frauenpolitik abseits von Kinderkriegen und Familienleben, nicht einmal die Grünen. Das ist unfair gegenüber den Kinderlosen und strategisch dumm. Immerhin wächst die Anzahl der Frauen, die sich nicht reproduzieren, ob freiwillig oder ungewollt. Für diese große Gruppe haben die Politiker kein Angebot parat, das ihrer Lebensrealität entspricht. Viele von ihnen sind unabhängig, gebildet, haben gute Jobs und zahlen ordentlich in den Sozialstaat ein, der seine Gelder lieber nur den Familien spendieren würde. Und dafür lässt die Politik elegant alle Probleme, mit denen sich Frauen abseits der Mutterschaft herumschlagen, unter den Tisch fallen. Wenn Frauen berufstätig sind, erhalten sie im Schnitt 15 Prozent weniger Lohn als Männer – als ob Politik und Sozialpartner diese Ungerechtigkeit im 21. Jahrhundert nicht endlich gemeinsam bereinigen könnten. Sobald Frauen tatsächlich in die Führungsetagen aufsteigen wollen, scheitern sie meist an der sogenannten gläsernen Decke. Wenn sie dann in Pension sind, leben 21 Prozent von ihnen in Armut. Angesichts dieser Tatsachen sollte schnell ein anderes Frauenbild in die Politikerköpfe. Eines, das nicht nur auf Babyproduktion reduziert wird.


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