Falsche Spione und echte Zeitungsenten: das Kriserl zwischen Wien und Moskau

Politik | Herwig Höller | aus FALTER 38/08 vom 17.09.2008

Die Beziehungen zwischen Österreich und Russland sind ausgezeichnet. Das betonen beide Seiten gebetsmühlenartig. Aber der Schein trügt. Monatelang hatte eine designierte Kulturrätin an der österreichischen Botschaft in Moskau auf ein russisches Visum warten müssen.

Für Österreich ist das neu, wie Robert Gerschner, Ex-Kulturattaché in Moskau, bestätigt. In der russischen Botschaft in Wien ist bloß zu erfahren, derartige Entscheidungen Moskaus würden nicht kommentiert. Auch Vertreter des österreichischen Außenministeriums halten sich knapp: Es habe sich um ein „administratives Problem“ gehandelt, das gelöst sei. Welches Problem, bleibt geheim, wie und wann es gelöst wurde, sowieso.

Intern wird die diplomatische Verstimmung jedoch mit einer Spionageaffäre in Verbindung gebracht. Im Juni 2007 hatten österreichische Behörden aufgrund eines deutschen Haftbefehls einen gewissen Vladimir Vozhzhov verhaftet.

Als sich herausstellte, dass der Mitarbeiter der russischen Weltraumagentur als Teilnehmer einer UN-Konferenz diplomatische Immunität genießt, musste er wieder aus der Haft entlassen werden. Im Umfeld der russischen Botschaft interpretierte man Zeitungsenten – News hatte berichtet, Vozhzhov sei Putins Schwager – als Sticheleien und vermutete österreichische Behörden als Drahtzieher.

Für die Gerichte ist die Causa erledigt: Am 4. September, kurz vor Ursula Plassniks Besuch in Moskau, stellte die Staatsanwaltschaft Wien die Ermittlungen gegen einen mutmaßlichen Komplizen Vozhzhovs, einen oberösterreichischen Bundesheeroffizier, ein. Wenige Tage später war das Visumproblem gelöst.


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