Nach dem letzten Aufbäumen in der Stadt des Kindes

Politik | Stefan Apfl | aus FALTER 38/08 vom 17.09.2008

Wenn Ursula Throm-Gruber, 65, die Ereignisse von gestern schildert, ist sie selbst nicht sicher, ob es eine Tragödie war, die sich im ehemaligen Kinderheim abgespielt hat, oder vielleicht doch eine Komödie. Die Pressekonferenz etwa, bei der Architekten, Grüne und Aktivisten von „Freiraum“ zum Erhalt des Komplexes aufriefen, während die Betonbrecher von Pajo nebenan die Mauern umwuchteten. Oder die drei Dutzend Polizisten, die ebenso viele Aktivisten beim Basteln mit Ton bewachten. Die Hausbesetzer haben das Gelände nach einer Räumungsdrohung bereits verlassen, vier Blaumänner sitzen im Mittagsschatten und beißen in ihre Wurstsemmeln. Bloß ein hingespraytes „Abbruch“ ist von der gestrigen Aufregung zurückgeblieben. Und Ursula Throm-Gruber. 30 Jahre hat die Keramikerin hier gearbeitet. Jetzt sitzt sie allein mit ihrer humpelnden Hündin Luna unweit der Ruinen und weiß nicht so recht, ob sie lachen oder weinen soll.


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