Mediaforschung

„Herr Ruzowitzky, wieso hat das Schwein kein Popoloch?“

Nachfragekolumne

Medien | Ingrid Brodnig | aus FALTER 38/08 vom 17.09.2008

Das „Ja! Natürlich“-Schweinchen ist wohl das prominenteste Ferkel Österreichs. Seit drei Jahren rennt es für die Biolinie des Rewe-Konzerns durch die TV-Spots, jagt bunte Falter und ist ziemlich vorlaut. Bei den Werbefilmen führt Stefan Ruzowitzky Regie, der heuer mit „Die Fälscher“ den Oscar gewann. Er erzählt, dass bei den Dreharbeiten zwei bis drei Ferkel verwendet werden. Oft brauche man unterschiedliche Tiere für unterschiedliche Szenen. „Beim Spot mit dem Waschbecken war ein Schwein total phlegmatisch, während das andere wie irr herumgelaufen ist“, sagt der Filmemacher. Weil er keine teuren Animationen, sondern die natürlichen Bewegungen der Tiere verwendet, kann es durchaus sein, dass die Ferkel nicht immer lippensynchron sprechen. Die Agentur Demner, Merlicek und Bergmann hat die Werbekampagne entwickelt, zwei der Filmchen wurden nun mit Silber und Gold bei der ORF-Werbegala „Top Spot“ ausgezeichnet. Aber was haben die Schweine von ihrer kurzen Berühmtheit? Sie müssen zumindest nicht zum Schlachter, versichert Ruzowitzky. „Sie bekommen ihr Gnadenbrot auf einem Bauernhof.“ Kein Wunder, wäre es doch ziemlich schlechte PR für die „Ja! Natürlich“-Leute, würden sie ihre Hauptdarsteller verfüttern. Wie schön Werbung ist, zeigt auch ein Blick auf den Ferkelhintern: Ihm fehlt das Popoloch. Weil es in der Großaufnahme zu ungustiös aussah, wurde es einfach weggepixelt. „In der Realität können Schweine ja auch nicht sprechen“, meint Ruzowitzky. Trotz Oscar-Ruhm will er weiter für „Ja! Natürlich“ drehen. Ihm gefällt die Handlung zwischen Bauer und Schwein, die eine Vater-Kind-Beziehung symbolisiert. Denn: „Es reicht nicht, irgendein süßes Tier vor die Kamera zu zerren. Die Spots haben auch eine Identifikationsfläche und Emotionen, die der heimischen Werbung oft fehlen.“


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