Technik

Angst vor Big Brother? Keine Sorge, das war gestern

Dinge, die uns brauchen

Medien | aus FALTER 38/08 vom 17.09.2008

Prüfbericht: Thomas Vašek

Heute geht der Trend zur Selbstüberwachung. Das Tool der Wahl heißt „GPS-Logger“ und ist ab 50 Euro zu haben. Dabei handelt es sich um eine Art Black Box für die Hosentasche: Per Satellitendaten zeichnet das Gerät jeden zurückgelegten Weg auf den Meter genau auf, samt Höhengefälle und Geschwindigkeit. Die Route lässt sich auf digitale Karten oder Bilder von „Google Earth“ übertragen. Der Nutzer kann seine „Tracks“ digital bearbeiten, ins Internet stellen und mit Freunden tauschen. Wozu das alles gut sein soll? Den Herstellern fällt da viel Praktisches ein: Jogger, Radfahrer oder Wanderer können ihre Routen „tracken“ – samt Abstecher und Pinkelpause. Berufsfahrer brauchen kein Fahrtenbuch mehr. Und wer möchte, kann seinen täglichen Fussmarsch zum Arbeitsplatz abends auf dem Rechner analysieren. Die nächste Generation von Internet-Handys wird den Logger wahrscheinlich bereits eingebaut haben. Dann können wir vielleicht bald nach Bewegungsprofilen googeln. Passende Produktwerbung inklusive. Virtuelle und physische Welt wachsen zusammen. Unsere räumliche Existenz verwandelt sich in einen Strom von GPS-Daten – nahtlos verknüpfbar mit dem Internet. Jeder Schritt bekommt einen Zeitstempel, jede Pinkelpause einen Datensatz. Das Leben verliert die räumlich-zeitliche Unschärfe, die wir bislang Freiheit nannten. „Wo bist du gestern abend gewesen?“, hieß es früher. In Zukunft wird es heißen: „Zeig mir doch mal deinen GPS-Log!“ Die Werbung weiß es schon länger: alles eine Frage der Positionierung!

Thomas VaŠek ist Chefredakteur des PM-Magazins und rezensiert für den Falter jede Woche Mediengadgets


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