Wo bleibt der neue Presserat?

Medien | aus FALTER 38/08 vom 17.09.2008

Der Fall Selina Gusenbauer zeigt, wie die Selbstkontrolle der Medien versagt

Bericht: Wolfgang Zwander

Wolfgang Fellner, Herausgeber der Zeitung Österreich, sucht einen Skandal. Er fand ihn vergangene Woche in den Schulproblemen der Kanzlertochter, rührte ein paar Zuspitzungen dazu, und fertig war die Coverstory. Mit ernsten Konsequenzen hat das Blatt nicht zu rechnen. Die Höchststrafe für die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs einer Jugendlichen liegt bei 20.000 Euro. Herausgeber wie er zahlen das vermutlich aus der Portokassa.

Meistens kommt es nicht einmal so weit. Medienklagen sind riskant, sie führen zu Retorsionsjournalismus. Wer klagt, muss mit noch mehr Angriffen aufs Privatleben rechnen. Es fehlt die Selbstkontrolle durch Medien. So wie jedes andere europäische Land hatte auch Österreich einmal einen Presserat. Bis 2002 wachte er über die Einhaltung des „Ehrenkodex der österreichischen Presse“. Dieser verbietet Berichte über das Privatleben von Politikerkindern.


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