Nüchtern betrachtet

Unter anderem bin ich schlecht im Schlecken

Feuilleton | aus FALTER 38/08 vom 17.09.2008

Auch wenn uns ausgerechnet die Typen, die sich mit Eigendefizitbewusstsein anderer Menschen eine goldene Nase verdienen (und eine neue Nasenscheidewand obendrein), einreden wollen, dass jeder Einzelne irrsinnig individuell sei und was ganz, ganz Tolles könne, ahnen wir schon früh, dass das gelogen ist. Allerspätestens in der Volksschule realisiert man, dass der Sitznachbar furchtbar mit seinen Fingergelenken knacken, sich selber die Schulter aus- und wieder einrenken, den Spock-Gruß machen oder auf Befehl die ärgsten Rülpser von sich geben kann. Man selber hingegen kann nicht einmal auf zwei Fingern pfeifen oder über die eigenen Schuhspitzen spucken. Dieses Bewusstsein, das man auch als eine Art säkularer Form verinnerlichter Erbsünde deuten kann, hat freilich auch viel für unsere Zivilisation geleistet und ist der Motor dessen, was wir als arbeitsteilige Gesellschaft kennen. Weil wir keinen ordentlichen Rülpser zustande bringen oder uns ständig auf die Schuhe sabbern, erwerben


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