Stadtrand

Her mit den Booten: Wien ist wieder eingespeichelt

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 38/08 vom 17.09.2008

Woran erkennt man, dass die Ferien vorbei sind? Vor den Erziehungsinstituten liegt wieder der Schlatz. Angeblich hat der Jungmensch ja permanent einen fiesen Geschmack im Mund. Doch statt weniger Rauchwaren zu konsumieren und mehr auf Mundhygiene zu achten, spuckt er halt lieber aus, auch eine Lösung. Bei manchen Burschen ist die Spuckerei fast schon eine Art fortlaufende Ejakulation im öffentlichen Raum. Dabei ist die Speichelei nicht nur Männer- und Lamasache: Längst rotzen auch junge Damen die Straßen voll, im Zuge der Genderwirtschaft durchaus begrüßenswert. Sie sind aufgebrezelt wie Paris Hilton, wenn sie bei Dolce & Gabbana nach dem Rechten sieht, treten aber auf wie Bierkutscher. Wird der Speichel knapp, spuckt man halt mit Kaugummis. In manchen Gegenden (zum Beispiel vor Schnellgaststätten) sind Straßen und Plätze von einer dicken Gummischicht überzogen, darüber der Schlatz, durch den der Flaneur watet. Brauchen wir bald Gondeln, um trockenen Fußes voranzukommen? Wien darf nicht Venedig werden!

Wahlwiener Christopher Wurmdobler erlebt und erleidet die Stadt


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