Kleines Wiener Untergrundlexikon

Stadtleben | aus FALTER 38/08 vom 17.09.2008

Eingänge, die. Normalerweise führen diverse Deckel und Wendeltreppen in den Untergrund. Wien hat zusätzlich einige gründerzeitliche Türmchen und einen Naschmarktstand, die als Eingänge ins Wienflussbecken dienen. Und in Floridsdorf kann man über eine Litfaßsäule ins Fernwärmenetz steigen

Fernwärme, die. Eines der jüngsten Wiener Leitungsnetze. Fernwärme leitet seit den 60er-Jahren die Wärme von Kraftwerken und Müllverbrennungsanlagen zum Heizen in die Wohnungen. Wien hat eines der längsten Fernwärmenetze der Welt

(Kanal-)Strotter, der. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg lebten Obdachlose im Kanalsystem, vor allem in Massenquartieren am Wienfluss. Die Strotter fischten Gegenstände aus dem Kanal oder schöpften Fett von der Oberfläche ab, um es Seifensiedereien zu verkaufen. 1902 stiegen Emil Kläger und Max Winter in den Untergrund und berichteten über die Strottern

Künette, die. Eines der vielen Wörter, die aus dem Französischen in die Wiener Alltagssprache gelangten. „Cunette“ heißt Straßengraben. Der Begriff kommt aus der Festungsarchitektur, für die Frankreich in der frühen Neuzeit prägend war. Wolfgang Ambros sang: „De Kinettn, wo i schlof“

Wienfluss, der. Zwischen Pilgramgasse und Stadtpark verläuft das städtische Flüsschen unterirdisch. „Große Einwölbungsstrecke“ nennen Rathausbeamte das breite Betongewölbe aus dem 19. Jahrhundert. Es hätte schon als Gastromeile, Joggingstrecke oder Untergrundfriedhof dienen sollen – nichts kam zustande. 1996 fand immerhin ein Theaterstück statt


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