Ins Mark

Meinetwegen, Lebkuchen

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 38/08 vom 17.09.2008

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter

Im Herbst, zumal Wahlen anstehen, hat die Heimat Hochkonjunktur. Alle lieben sie, alle wollen sie verkörpern. Gerald Grosz, der heuer für das BZÖ in den Gemeinderat einzog, nachdem er seinen Wahlkampf unter das am Irrsinn anstreifende Motto „Wir säubern Graz“ gestellt hatte, ist so ein Heimatkörper, sozusagen einer in Reinkultur. Kulturelle Andersheit gerät da gerne unter den Pauschalverdacht, im Grunde ein Sicherheitsrisiko zu sein. Da muss man mit dem Stahlbesen ran! Ausmisten!

Jetzt also Heimat, diese breite, kuschelige Kehrseite des bösen Nationalen: 300 Quadratmeter groß ist der rot-weiß-rote Lappen, den Grosz, der für den Nationalrat kandidiert, zuletzt als „größtes Wahlplakat Österreichs“ in Graz anbringen ließ und der sich von der österreichischen Fahne nur durch den sinnigen Aufdruck „Deinetwegen. Österreich“ und das BZÖ-Parteilogo unterscheidet. Begleitet von der Zusicherung, er, Grosz, werde für seine Heimat Steiermark „ALLES GEBEN“. Das muss nicht sein, meinetwegen. Auch wenn Grosz das Plakat als „Liebeserklärung an ein neues, besseres Österreich“ verstanden haben will. Man weiß ja, was er geben kann, ahnt, wie dieses neue Österreich aussehen würde, wenn er es ganz lieben dürfte. Im besten Fall ein klein wenig wie beim „Aufsteirern“, dieser allherbstlichen Überformung des Steirertums zum Universellen, das aufgrund der dort konsumierten Alkoholmenge auch als „Zusteirern“ durchginge. Kein Wunder also, dass auch Gerald Grosz dort gerne auftanzt. Ob er dort heuer in Begleitung seines Bündnisobmannes, der Lebkuchenherzen verteilte, ALLES gegeben hat, ist allerdings nicht überliefert.


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