Hundert Jahre Zeitausgleich

Steiermark | aus FALTER 38/08 vom 17.09.2008

Befindlichkeitskolumne

Energie und Befindlichkeit und Raum

Wenn eine Kolumne den Namen „Befindlichkeitskolumne“ trägt, tut sie gut daran, sich nicht um die Energiefrage herumzuschwindeln. Unsere Befindlichkeit hängt damit zusammen (um nicht zu sagen: davon ab), wie es um den Energiehaushalt bestellt ist. Die Befindlichkeit des Westens zum Beispiel verschlechtert sich, weil die Energie aus Schurkenstaaten importiert und von Börsenhaien verspekuliert wird, und auch die Befindlichkeit des Einzelnen leidet, wenn die Energie nicht mal mehr dafür reicht, zum Kühlschrank zu gehen, einen Wahlhelfer zu beschimpfen oder einen Satz fertig. Kaiserin Sisi, die panische Angst vor zu viel Energie hatte, wurde anorektisch und überlebte nicht einmal ein paar Nadelstiche eines Anarchisten. Auf den Tag genau 110 Jahre später wurde in der Schweiz die energieaufwendigste Maschine der Welt in Betrieb genommen, wo Teilchen beschleunigt und aufeinander losgelassen werden. Obskuranten und Österreich-Redakteure befürchten, dass ein Urknall-Effekt entstehen könnte, bei dem so viel Energie freigesetzt wird, dass ein Schwarzes Loch entstehen und die Erde aufsaugen könnte. Ein wenig Recherche hätte genügt, um die Paranoia zu zerstreuen. Aber man soll sich nicht täuschen: Eine Google-Anfrage erzeugt Energiekosten, mit denen eine 11-Watt-Sparlampe über eine Stunde lang brennen könnte. Um daraus Schlüsse zu ziehen, wäre Energie (aus Russland) und Raum (woher auch immer) notwendig.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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