Phettbergs Predigtdienst

Die Stubenfliege und das Monstrum

Spiel & Spass | aus FALTER 38/08 vom 17.09.2008

Hermes Phettberg führt seit 1992 durch das Kirchenjahr

Es wäre ein großes Irren, Duhsub, wenn gedacht würde, ich lebte da ganz allein mit meinen drei Pflanzen. Mit mir lebt meine Stubenfliege. Lebt genauso höllisch isoliert wie ich. Ich leb sogar sozial besser. Erstens bin ich bestens gesetzlich betreut, und es kommen ab und an Artgenossys zu mir, die Fliege lebt mutterseelenallein. Hungern muss sie aber nicht, wie es scheint, denn ich erwisch sie immer beim Knabbern, zum Beispiel eben, da ich meine halbe Melone zu Ende fraß … ja, es ist die gute alte Fresssucht! Ich kenn sie sehr wohl wieder. Weg ist sie, die gute Melone! Ich hab gar nicht gemerkt, dass die Gärtnerschaft vollkommene Melonen entwickelte. Kompliment, liebe Floristys! Ich bild mir ein, dass, als ich im Sommer 07 meine Sommermelone aß, noch Kerne zu beißen und auszuspucken hatte. Es ist interessant, wie das Veränderte so leicht aus dem Gedächtnis entschwindet.

Jede Person hat eine gewisse Menge von Ernährung zu essen und anschließend zu verdauen. Das wird im Computer registriert. Ich hab einen Haushund namens Computer, und auf den tippe und tippe ich ein. Von allen guten Geistern verlassen. Ich war halt nur kurz hypertroph, und nun komm ich wieder auf die mir zustehende Masse zurück. Kleinlaut wie immer. Natürlich, dass ich hier alle Pflanzenleichen herumlümmeln habe, ist schon allein ein Beweis von Unliiertheit und meiner ewigen Einsamkeit. So, wie ich um wen mich sorgte, ging es natürlich der Menschheit mit mir. Im Gegenteil, wenn sich die Menschheit so verhielte, wie ich öde lebte, das darf ich gar nicht zu Ende denken. Denn der Schmerz der Unerfülltheit eines Lebens wird „nachher“ höchstens am Grabstein eingemeißelt. Und das aber meist auch nicht, denn es schreibt der auf den Grabstein, der ihn bestellt und bezahlt (bezahlen kann). Ich bin ja so arm, dass es höchstens für ein Armengrab reicht.

Es ist doch absolut logisch, dass jeder Mensch an sich zuerst denken MUSS! Und erst wenn ein Rest an Energie bleibt, dann wird gerecht aufgeteilt, wenn es hoch kommt. Also zuerst dem, der sexuell den ersten Preis des betreffenden Menschen gemacht hat. Und dann … ja wie? Ich bin überversorgt, eh ohnehin. Also hör auf zu jammern, elender Phettberg – du herrschsüchtiges Monstrum.

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at/gestion ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt.


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