Kritik

Digitale Orgasmen im Bunker

Ausstellungen

Lexikon | Nicole Scheyerer | aus FALTER 38/08 vom 17.09.2008

Unterzögersdorf im Weinviertel stellt die letzte sowjetische Teilrepublik dar. Zumindest will das die Medienkunstkombo monochrom den Besucher der Ausstellung „Utopia“ glauben lassen. Auf die in der Linken grassierende „Ostalgie“ antwortet monochrom mit einer witzigen Installation, die selbst gemachtes Agit-Prop-Material versammelt, eigene Auftritte als Russen dokumentiert und mittels Videospiel auf eine Unterzögersdorfer Kolchose führt. Die Gruppenausstellung „Utopia“ ist der Hauptact von „paraflows – Festival für digitale Kunst und Kulturen“. Der Titel bezieht auch auf die Bedeutung „Nichtort“, was der Ausstellungsort Flakturm Arenbergpark voll einlöst.

Auf den Stahlbetonwänden flimmern Arbeiten wie „exoearth“ von Günter Stöger, der in Slow-Motion zu den Relikten eines Air-Force-Übungsgeländes führt, oder „Everytown“, das aus Wiener Gemeindebauten ein Metropolis collagiert. Eine „Psycho-Sex-Groteske“ stammt von Susanne Schuda, die genial einen Porno aus 2-D-Körperteilen collagiert und in ihrer Animation „die schudas reloaded“ auch Versicherungen gegen den Weltuntergang bewirbt. Nikolaus Gansterers Installation „Das Eden Project“ beschallt Unkraut mit Musik von Bach und Heavy Metal, Anna Mitterer geht mit der Arbeit „Hortus Inclusus“ dem Paradiesgarten als geschützt-meditativer Zone nach. Die ausgewählten Arbeiten behandeln Themen wie Kontrollgesellschaft oder Biomacht auf gelungene Weise indirekt und vermeiden so didaktische Einbahnstraßen. Der Rechner steht aber auch Poesie und Eldorado-Träumen nicht im Weg.

MAK-Gegenwartskunstdepot Gefechtsturm Arenbergpark, bis 24.10.


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