Film

Es bleibt in der Familie: Zurück im Sommer

Neu im Kino

Lexikon | Barbara Schweizerhof | aus FALTER 38/08 vom 17.09.2008

Familien sind die Brutstätte der Traumata, das lehrt uns das amerikanische Kino wie kein anderes. In „Zurück im Sommer“ (Originaltitel: „Fireflies in the Garden“) sind es die Waechters, bestehend aus einem egomanischen Literaturprofessor, seiner braven Ehefrau und ihrem Sohn, die sich gegenseitig Dinge antun, die nie wieder gutzumachen sind. Charles, gespielt von Willem Dafoe mit der üblichen dämonisch-bedrohlichen Ausstrahlung, strebt vergeblich nach den hohen Schriftstellerwürden. Seine Frustration über das Nichterreichte lässt er in männlicher Selbstherrlichkeit an Gattin Lisa – dargestellt von einer über die Maßen mütterlich-scheuen Julia Roberts – und vor allem an dem zwölfjährigen Michael aus. Der Tiefpunkt des Vater-Sohn-Verhältnisses ist erreicht, als Michael im Kollegenkreis ein angeblich selbstverfasstes Gedicht vorträgt, das die versammelten Literaturprofessoren sofort als Robert-Frost-Plagiat erkennen. Der tief gedemütigte Vater kann nicht anders, als die Demütigung an den Sohn weiterzugeben.

Die Haupthandlung des Films setzt 20 Jahre später ein. Die Familie kommt zusammen, um den endlich nachgeholten Universitätsabschluss von Mutter Lisa zu feiern, doch ein tragischer Unfall lässt besonders bei Michael, nun dargestellt von einem monoton verwundet dreinblickenden Ryan Reynolds, alte Wunden aufbrechen. Trotz der hochkarätigen Besetzung und des Hinweises auf autobiografische Hintergründe gelingt es Dennis Lees Regiedebüt nie ganz, die Genrekonventionen so weit hinter sich zu lassen, dass die Geschichte über die Schwierigkeiten der Vaterliebe sich real und wie tatsächlich erlebt anfühlen.

Ab Fr in den Kinos (OF im Haydn)


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