Film

Die Utopie Film — Petzi und Petzold

Retrospektive

Lexikon | aus FALTER 38/08 vom 17.09.2008

Filme aus mehr als 100 Jahren stehen den September über auf dem Programm des Österreichischen Filmmuseums, genauer: 100 jener Filme, die in den letzten fünf Jahren als Neuerwerbungen in die inzwischen rund 20.000 Titel zählende Sammlung des Hauses eingegangen und nun unter dem Titel „Die Utopie Film“ erstmals in einem einzigen großen Durchlauf zu sehen sind.

Was diese beherzte Passage durch die Filmgeschichte von ähnlichen Reihen à la „100 Meisterwerke“ positiv unterscheidet: Sie hat nicht normativen Charakter, sondern will Filmgeschichte als offenes, vielfach auch uneingelöst gebliebenes Versprechen für die Zukunft des Kinos verstanden wissen, die ständig „in the making“, also in Bewegung ist. So finden sich im Septemberprogramm neben etablierten Klassiker (von Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“ über Jean-Pierre Melvilles „Der zweite Atem“ bis David Lynchs „Eraserhead“) gleichberechtigt auch weniger bekannte, apokryphe Arbeiten, Fundstücke und Fragmente sowie aktuelle Produktionen.

Ein schönes Beispiel ist das Double-Feature aus „The Face Behind the Mask“ (Robert Florey, 1941) und „Pilotinnen“ (Christian Petzold, 1995). Im ersten Film sehen wir Peter Lorre als ungarischen Emigranten, der nach New York kommt, bei einem Brand furchtbar entstellt wird und auf die schiefe Bahn gerät. „Lorre, der in Amerika immer Fremde spielte, spielt hier zum ersten und einzigen Male seine wirkliche Herkunft“, schreibt dazu Christian Petzold, der Regisseur des zweiten Films, „Pilotinnen“, in dem zwei Parfümvertreterinnen genug von der täglichen Routine haben und beschließen, Räuberinnen zu werden. Wovon denn soll das Kino, die Utopie Film zuallererst erzählen, wenn nicht von Träumen von einem anderen Leben? MO

Filmmuseum, Fr, 21.00 (OF)

Die Utopie Film: bis 4.10. im Filmmuseum


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