Buch der Stunde

Lexikon | Ulrich Rüdenauer | aus FALTER 38/08 vom 17.09.2008

Der Flug ist das Leben wert“, steht auf ihrem Grabstein. Keine 26 Jahre alt ist die Flugpionierin und Abenteurerin Marga von Etzdorf geworden. Ihre Erfolgsgeschichte riss allerdings Anfang der 30er-Jahre ab; eine Bruchlandung folgte auf die andere. Meist kehrte sie von ihren Flügen geknickt und mit dem Steuerknüppel in der Hand zurück. Als sie 1933 auf dem Weg nach Australien notlanden musste, hatte sie genug und jagte sich eine Kugel in den Kopf. Aus Scham? Oder steckte hinter dem Freitod noch etwas anderes?

Es ist ein rasantes, mythenumranktes Leben, das Uwe Timm ins Zentrum seines neuen Romans, „Halbschatten“, stellt. Sein Erzähler sucht den Invalidenfriedhof in Berlin auf; dort liegt Etzdorf begraben. Ein Stadtführer, „der Graue“ genannt, begleitet ihn in dieser Dämmerstunde durch das Schattenreich. Der 1748 von Friedrich II. geschaffene Friedhof ist ein Ort, an dem ein Teil der deutschen Geschichte kristallisiert. Hier finden sich Generäle und Admirale, die Piloten


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