Kunst

Tote Hose auf Hefeis Highways

Kritik

Lexikon | aus FALTER 39/08 vom 24.09.2008

Hannes Böck „New Hefei“, Galerie Krobath Wimmer

China 2008: Das sind heute Wolkenkratzer, wo gestern noch nichts stand, dafür ein Vakuum in den Köpfen und Herzen. Auch die 16-mm-Filminstallation „New Hefei“ von Hannes Böck scheint in diese klischeehafte Kerbe zu schlagen, wenn er einen jungen Typen durch Neubauviertel streifen lässt. Böck war als Artist-in-Residence in China und hat dort gedreht. In langsamen Kameraschwenks tauchen Rohbauten auf; die neuen Autobahnen sind spärlich befahren. Die Ästhetik des ruhigen S/W-Films erinnert an die 60erJahre. In seiner ersten Einzelausstellung ruft der 1974 geborene Künstler diese Bildsprache wach, um eine Verbindung zwischen dem Umbruch in China und dem Wiederaufbau in der europäischen Nachkriegszeit herzustellen. Regelmäßig übernimmt die rationalistische Architektur die Hauptrolle, die zu einem unentrinnbaren Rahmen wird. Szenen aus Michelangelo Antonionis Filmen, die in trostlosen Vororten spielen, dienen „New Hefei“ als Referenz.

Aber eignet sich der filmische Existenzialimus jener Zeit, der die Entfremdung im Nachkriegskapitalismus so einmalig vorführt, als Anknüpfungspunkt für die asiatische Conditio humana? Spielfilme wie „Still Life“ von Jia Zhangke, die das „neue China“ ähnlich behandeln, geben Böck recht. Sein wortloser Flaneur eignet sich aber etwas zu gut als stereotype Projektionsfläche. Wird doch in der Jugend gern ein Protestpotenzial gegen die Allianz von Kommunismus und Turbokapitalismus geortet. Fazit: Eine gelungene Antonioni-Hommage, allerdings ohne Beachtung der Doku, die der italienische Meister 1972 selbst in China gedreht hat. NS

Krobath Wimmer, bis 8.11.


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