Dauerlauf durch Deutschland im Herbst

Neu im Kino

Lexikon | Maya Mckechneay | aus FALTER 39/08 vom 24.09.2008

Hier kommt Geschichte knüppeldick Martina Gedeck als Ulrike Meinhof

Produzent Bernd Eichinger lässt sich die deutsche Geschichte was kosten. Allein der Einsatz der Songs „Mercedes Benz“ von Janis Joplin am Anfang und von Bob Dylans „Blowing in the Wind“ am Ende des Films dürfte sechsstellig wiegen. Die Verfilmung des Stefan-Aust-Tatsachenromans „Der Baader Meinhof Komplex“ will großes, internationales Kino sein.

Regie führte Uli Edel, der seit seinem Erfolgsfilm „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ (1981) hauptsächlich fürs Fernsehen gearbeitet hatte. In „Der Baader Meinhof Komplex“ zeigt Edel, dass er nach wie vor ein guter Handwerker ist. Die Kameraführung ist durchdacht, die erste Garde der bundesdeutschen Schauspieler agiert glaubhaft, alles passt punktgenau. Dafür, dass wirklich Atmosphäre aufkommt, dass die Zeit spürbar wird, wirken allerdings die Demos und Versammlungen zu choreografiert. Im Dauerlauf werden die wichtigsten Etappen abgehakt: der Anschlag aufs Frankfurter Kaufhaus, Ulrike Meinhofs (Martina Gedeck) Befreiungsaktion für Baader (Moritz Bleibtreu) und ihr Abtauchen in den Untergrund. Anschläge, Verhaftungen und Freipressungsversuche der Gefangenen in Stammheim durch die 2. Generation der RAF. Und, und, und. Zwischendurch sieht man Che, Martin Luther King und Kennedy in Original-Nachrichtenausschnitten sterben. Geschichte als Kausalgefüge in dem eins zum anderen führt.

In Interviews betonen Eichinger und Edel, dass sie die Mythenbildung um die RAF und vor allem deren Kopf Andreas Baader einbremsen wollten. Dafür hätte es aus popkultureller Sicht schon genügt, statt Joplin und Dylan die Musik zu spielen, die Baader in Stammheim wirklich hörte: Santana, Led Zeppelin, Johnny Winter, Pink Floyd.

Ab Fr in den Kinos


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