Wall-E, die Postapokalypse für die ganze Familie

Tipp

Lexikon | Klaus Nüchtern | aus FALTER 39/08 vom 24.09.2008

Wall-E, kurz für Waste Allocated Load Lifter – Earth Class

Am Beginn der Pixar-Produktionen stand eine Schreibtischlampe, die man bis heute in jedem Vorspann zu sehen kriegt: Mit „Luxo Jr.“ (1986) begann die Animierung einer nicht besonders anthropomorphen Dingwelt, die in „Cars“ (2006) bislang ihren – nur mäßig überzeugenden – Höhepunkt fand. Nun knüpft Regisseur und Drehbuchautor Andrew Stanton („Findet Nemo“) dort an, indem er in „Wall-E“ eine Romanze zwischen dem Titelhelden (ein Akronym für „Waste Allocated Load Lifter – Earth-Class“) und einem auf pflanzliches Leben angesetzten Roboter namens EVE („Extraterrestrial Vegetation Evaulator“) anzettelt – ein Paar, so ungleich wie ein Tixoroller aus Bakelit und der jüngste iMac.

Für einen Film des Genres Animation-für-die-ganze-Familie ist der postapokalyptische (klar, die Kakerlake hat überlebt!) und, gelinde gesagt, wortkarge Beginn des Films, der zugleich eine sehr charmante Hommage an die vorvorletzten Technologien (Glühbirne, Videokassette …) darstellt, eigentlich ziemlich kühn. Der zweite, auf der Raumstation Axiom spielende Teil steigert Tempo sowie Action erheblich und variiert den alten SciFi-Topos totalitär gewordener Steuersysteme (Kubricks „Space Odyssee“ lässt u.a. per „Donauwalzer“ grüßen, anstelle von HAL regiert hier AUTO). Die in selbstverschuldeter Abhängigkeit und Verfettung an Bord lebenden Menschen erhalten noch eine Chance zur Revolte und zur Reanimation der Zivilsation, wie wir sie kannten. Und die Old-School-humanistische Botschaft wird im brillanten Schnellkurs durch die Kunstgeschichte vom alten Ägypten bis zu van Gogh, den der Abspann bietet, wiederholt: technischer Fortschritt ist nur die halbe Miete.

Ab Fr in den Kinos (OF im Burg, Haydn)


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