In person: Filme & Videos von Ivan Ladislav Galeta

Retrospektive

Lexikon | aus FALTER 39/08 vom 24.09.2008

Die einzige Arbeit des 1947 in Zagreb geborenen Medienkünstlers, die man in Wien schon öfters im Kino sehen konnte, ist zugleich auch eine seiner kürzesten. „TV Ping Pong“ (1976/78), ein zweiminütiges Tischtennismatch, gefilmt in Realzeit auf Video, aber präsentiert als Split-Screen-Anordnung – die Blickpunkte wechseln, während das Spiel ohne jede Unterbrechung weitergeht.

Nun ist Ivan Ladislav Galeta auf Einladung des Verleihs Sixpackfilm zwei Abende im Österreichischen Filmmuseum zu Gast. Sein außergewöhnliches Werk, dem in der Regel minutiöse, mathematische abstrakte Konzeptionen zugrunde liegen, weist eine Vielzahl außerfilmischer Einflüsse, ein durch die Lektüre der Filme allein kaum zu dechiffrierendes „Imperium kultureller Recodierungsmuster auf, das von Mallarmé oder James Joyce, der Symbolanalyse C.G. Jungs, der mathematischen Kosmologie und der Geschichtsphilosophie des Spätbarock bis hin zu den hermetischen, okkulten Traditionen der europäischen Renaissance und den Geheim- und Symbolwelten von Gnosis oder Kabbala und fernöstlicher Mystik und Zahlenmagie reicht“ (Georg Schöllhammer).

Ganz so arg ist es denn aber doch nicht. Man kann sich Galetas Filme auch einfach nur anschauen, und das mit Gewinn. Beispielsweise „Walter Pulu 1869 1896“ (1987/88), der ein Wasserballspiel zwischen Frankreich und Nordkorea (!) zum Vorwand nimmt, die Täuschung des Auges durch das Ohr zu perfektionieren: Während die Tonspur wie auch die mehrfach ineinander kopierten Filmbilder frenetische Bewegung suggerieren, rührt sich der exakt auf Bildmitte platzierte „Ball“ selbst nicht vom Fleck. Symmetrien rule okay! MO

Österreichisches Filmmuseum, Mi, Do 21.00


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