"Die Bürger wissen nicht mehr, wen sie wählen"

Politik | aus FALTER 39/08 vom 24.09.2008

Der britische Politologe Colin Crouch über die Krise der Demokratie und die Sehnsucht nach Stars

Gespräch: Robert Misik

Falter: Das westliche Demokratiemodell ist ein Erfolg. Woher kommt der Politikverdruss?

Colin Crouch: Weil das liberale Modell ganz gut funktioniert, merken wir gar nicht, wie es in die Krise schlittert. Ja, Wahlen werden abgehalten. Manchmal werden sogar Regierungen abgewählt. Aber es gelingt nicht mehr, die Interessen unterschiedlicher sozialer Milieus zu repräsentieren. Die Bürger werden manipuliert: Von PR-Agenten, von Kommerzmedien. Sie werden von Spezialisten kontrolliert. Sie reagieren nur mehr auf Signale.

Übertreiben Sie da nicht ein bisschen?

Crouch: Das klappt natürlich nicht immer. Es gibt Bewegungen, die sich Bahn brechen - etwa die Umweltbewegung. Auch die rassistische Rechte ist so ein Exempel unkontrollierter politischer Kräfte, auch wenn sie unsympathisch ist. Aber Politik reduziert sich auf Slogans. Die Bürger verlieren Einfluss, während große Wirtschaftslobbys


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