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IT-Kolumne

Medien | Ingrid Brodnig | aus FALTER 39/08 vom 24.09.2008

Stellen Sie sich das vor: Sie klicken eine Nachricht an - und lösen dadurch eine Finanzkrise aus. In den USA geschah genau das. Nächtens besuchte ein User die Website der Sun Sentinel und las einen Artikel, der den Konkurs der Fluggesellschaft United Airlines ankündigte. Die Meldung stammte aus dem Jahr 2002 und war längst überholt. Trotzdem löste der Klick eine Kettenreaktion aus: Google scannt alle 15 Minuten Nachrichtenportale wie jenes der Sun Sentinel. Unter news.google.com listet es dann die Topmeldungen auf. Computer entscheiden, was lesenswert ist, keine Redakteure. Weil die Meldung nächtens gelesen wurde, listete ihn die Sun Sentinel als "meistgelesenen Artikel" auf. Google News verbreitete die Meldung, als sei sie neu. Der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg verbreitete die Meldung -ohne sie zu prüfen. Anleger stießen ihre Aktien ab. Der Kurs sank von zwölf auf drei Dollar und wurde erst abends stabilisiert. Die Lehre: Hätte nur ein Mensch den Artikel gelesen, wäre sofort klar gewesen, dass er sechs Jahre alt ist.


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