Enthusiasmuskolumne

Endlich wieder wild: die Jugend

Diesmal: Die beste Band der Welt der Woche

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 39/08 vom 24.09.2008

Der junge Mensch ist leicht zu beeindrucken, zumal im Stadium präpubertärer Unschuld. Schreibt ihm jemand was ins Stammbuch ("Wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her"), besteht für ihn vorerst kein Grund, daran zu zweifeln - bis der Lauf des Lebens enthüllt, dass das mit dem verlässlichen Lichtlein ein ausgemachter Blödsinn ist.

Mitunter aber werden selbst die abgedroschensten Stammbuchsprüche wahr. Der Reiz der forsch gedroschenen Stromgitarre, zumal in Kombination mit deutschsprachigen Texten, schien bereits unrettbar verblasst. Nirgends war ein Kraut gewachsen gegen das große Deutschpopnettigkeitsbiedermeier. Die aufregendsten Platten der letzten Jahre kamen von den Altspatzen Tocotronic ("Kapitulation", 2007) und den Goldenen Zitronen ("Lenin", 2006). Die Ehre der jüngeren Generation rettete die österreichische Band Ja, Panik, deren famose CD "The Taste and the Money" aber auch schon wieder ein knappes Jahr am Buckel hat. Wenn du aber glaubst, es geht nicht mehr - kommt von irgendwo ein Trio namens 1000 Robota her. Aus Hamburg, genau genommen, der ehemaligen Hochburg schlauen deutschsprachigen Popschaffens.

1000 Robota spielen in der klassischen Besetzung: Gitarre/Gesang, Bass und Schlagzeug. Das Durchschnittsalter der drei Musiker mit den denkbar unglamourösen Namen Anton Spielmann, Sebastian Muxfeld und Jonas Hinnerkort beträgt 18 Jahre. Ihr dieser Tage erscheinendes Debüt "Du nicht er nicht sie nicht" ist ein konzentrierter Energieschub: störrische Gitarren, explosive Beats, wuchtige Bassläufe und herausgeplärrte, unausgegorene Unzufriedenheit. Zehn Songs in 26 atem- und schnörkellosen Minuten. Aufregung is in the house, aber hallo! Dass die Londoner Hipster-Mafia dem Vernehmen nach bereits durchdreht und 1000 Robota bereits vor Erscheinen ihres Debüts die ganze Arroganz von Neo-Rockstars an den Tag legen sollen, trübt die Freude vorerst kein bisschen.


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