Ein Leben ohne Gott und Marx

Feuilleton | aus FALTER 39/08 vom 24.09.2008

Mit seinem Roman "Krematorium" entwirft Rafael Chirbes eine melancholisch-bissige Gesellschaftscollage

Buchkritik: Edgar Schütz

Rafael Chirbes ist ein Wiederholungstäter. Die meisten seiner Romane folgen demselben Muster: Man nehme mehrere einander freund- oder verwandtschaftlich verbundene Charaktere und zeichne anhand ihrer Lebensläufe ein kritisches Panorama der Gesellschaft. So in etwa verfuhr Chirbes schon in "Der lange Marsch", "Der Fall von Madrid" und "Alte Freunde". Der Kampf gegen die Diktatur Francos, der Übergang zur Demokratie und die Verdrängung der Vergangenheit waren die Themen, die Chirbes damals aufbereitete.

Chirbes' jüngster Roman ist in seinem Anspruch viel weiter gefasst, geradezu global. Obwohl einige Details in "Krematorium" natürlich auf Spanien verweisen, könnte er im Grunde so ziemlich überall in der westlichen Welt spielen. Chirbes, Jahrgang 1949, ist ein Kind des 20. Jahrhunderts. Auch wenn er nur die zweite Hälfte davon erlebt hat, ist er in einer Welt


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