Nüchtern betrachtet

Es kann aber auch etwas länger dauern

Feuilleton | aus FALTER 39/08 vom 24.09.2008

Rein theoretisch kokettiere ich mit der Subversivität dysfunktional gewordener Prozesse, bei denen nichts mehr wie geschmiert, sondern alles den Bach runtergeht. Lebenspraktisch konkret bin ich voll der Fan von Reibungslosigkeit im Ablauf. Ich bin nicht ungeduldig: Wenn beim Abspielen von DVDs nur Bild, aber kein Ton kommt, ruf ich meine Tochter, die bringt das qua Fernbedienung wieder ins Lot. Wenn die Störungsbehebung länger dauert, werde ich allerdings hibbelig. Vor einigen Wochen erreichte die gefühlte Intervalltreue der Wiener Verkehrsbetriebe einen Maximalwert von allenfalls 40 Prozent. Man pflegt dann zunächst die Wartezeitindikatoren der elektronischen Stationsanzeigen auszuknipsen und zu tun, als wär nix (im Jargon von Flugprofis: einen auf Heathrow machen). Irgendwann erfolgt der Hinweis, es käme zu unregelmäßigen Zugsintervallen, was insofern ein Hohn ist, als a) ein Intervall erst durch das Einlangen von zumindest zwei Zügen konstituiert wird und b) auch Abstände

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