Martin Wabl und der Fall Kampusch

Steiermark | aus FALTER 39/08 vom 24.09.2008

2. März 1998: Die zehnjährige Natascha Kampusch verschwindet nach einem Streit mit ihrer Mutter auf dem Schulweg. Wenige Tage, nachdem sie vermisst gemeldet wurde, besucht Martin Wabl, der damals für die Grünen im Landtag saß, ihre Mutter Brigitta Sirny, um Hilfe anzubieten. Wabl geht am 15. März 1998 den Schulweg des Mädchens ab, auf die Frage eines Anrainers, ob Wabl von der Polizei sei, bejaht er. Wabl wird verhaftet. Per Fax richtet er sich an den damaligen Bundespräsidenten, Bundes- sowie Vizekanzler und den Innenminister: Es gebe zweifelsfreie Indizien für sexuellen Missbrauch im Fall Kampusch und die Mutter müsste an der Entführung beteiligt sein. Wabl wird von der Bundespolizeidirektion Wien wegen Verleumdung angezeigt, sein geistiger Zustand wird überprüft.

Im Juli 2002 wird die "SOKO Kampusch" gebildet. Wabl behauptet weiterhin, dass Kampuschs Verschwinden in Zusammenhang mit ihrer Mutter zu sehen sei. Brigitte Sirny klagt und bekommt im Oktober 2001 recht. Wabl darf künftig nicht mehr behaupten, Sirny sei in die Entführung ihrer Tochter verwickelt.

Am 23. August 2006 taucht in Strasshof, Niederösterreich, eine junge Frau auf, die angibt, Natascha Kampusch zu sein. Der 44-jährige Entführer Wolfgang Priklopil begeht Selbstmord. Am 25. August bestätigt ein DNA-Gutachten Natascha Kampuschs Identität.

Wabl bringt eine Wiederaufnahmsklage ein, der Prozess startet im März 2007 und endet vergangene Woche. Das Urteil ergeht schriftlich. MM


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