Fragen Sie Frau Andrea

Lachen, Grinsen, Feixen, Cheese!

Kolumnen | aus FALTER 39/08 vom 24.09.2008

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Andrea Maria Dusl,

mit meiner Freundin diskutierte ich schon vor längerem den "sprach-sinnlichen" Unterschied zwischen den Worten "Lächeln" und "Grinsen" - wir gelangten aber zu keiner gemeinsamen Lösung. Bei "Lächeln" denke ich an das berühmte Lächeln der Mona Lisa, bei "Grinsen" eher an Garfield. Ist das eine sanft, das andere aggressiv oder handelt es sich doch um Synonyme? Andererseits wurde vor einiger Zeit der Begriff "Kampflächeln" geprägt! Bitte um nähere Klärung,

Ihr Gerhard Glattauer, per Elektropost

Lieber Gerhard,

Verhaltensforscher, Benimmregulatoren, Politikercoaches und selbstverständlich auch wir Normalsterbliche können eine ganze Palette von Lächeln unterscheiden. Weil die nichtsprachliche Kommunikation weitgehend über Mimik, Körperhaltung und Gesten transportiert wird, hat sich im Laufe der Jahrmillionen ein reiches Vokabular an Lächelformen herausgebildet. Unser Grinsen ist sprachlich mit dem Greinen verwandt und bezeichnet ein breites, die Zähne zeigendes Lächeln. Seine frühere Bedeutung "knirschen", "grunzen", "murren" "bellen", "heulen" transportiert die animalische Komponente dieser Lachform, deren Bedeutung zwischen Schadenfreude und innerem Schenkelklopfen oszilliert. Wir kennen das Grinsen auch von Machos, die in völligem Verkennen dieses Signals ihre präsumptive Beute mit einem breitem Feixen fixieren. Anders geht es uns mit dem Lächeln, der zahnlosen, verhaltenen Form des Lachens. Die lauthalse Heiterkeitsbezeugung ist sprachlich mit klangmalenden Wörtern wie glucksen, klacken, klagen und mit dem metallischen Lachen der Glocke verwandt. Aufgesetztes Kampflächeln ist von den meisten Menschen augenblicklich als unehrliches Signal lesbar. Verhaltensforscher haben Muskelgruppen im Gesicht identifiziert, die nur beim spontanen Lachen oder Lächeln bewegt werden, beim unehrlichen, aufgesetzten Grinsen jedoch starr bleiben. Der Ausdruck "Kampf-lächeln" beschreibt die Aggressivität der mimischen Lüge ausgesprochen gut. Seinen Ursprung hat das falsche Lächeln übrigens in der Fotografie, wo grantigen Porträtierten mit dem Nachplappern des englischen Ausdrucks "cheese" eine Art Lächeln abgerungen wird.


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