Theater

"Moby Dick": Seemannslieder mit Schnittke

Kritiken

Lexikon | Hermann Götz | aus FALTER 39/08 vom 24.09.2008

Oft kommt die Frage erst nach dem Besuch einer Theateraufführung hoch, diesmal hat sie sich schon im Vorfeld aufgedrängt: Warum machen die das? Warum lässt sich eine Frau wie Martina Kolbinger-Reiner auf Hermann Melvilles "Moby Dick" ein? Die Frage stellt sich am Ende des Abends nicht mehr. Zuerst legen Kolbinger-Reiner und Regisseur Hanspeter Horner (der mit dem Mezzanin-Theater zuletzt Marlen Haushofers "Die Wand" dramatisierte) die lakonische Leichtigkeit frei, mit der Melville seine düstere Erzählung instrumentiert, dann lassen sie im Verein mit dem kongenialen Ausstatter Christoph Bochdansky eine kleine Welt der archaischen Gewalten entstehen - begleitet von sperrigen Akkorden Alfred Schnittkes. Den halben Abend lang distanziert sich Kolbinger-Reiner achselzuckend von dem, was sie vorträgt, probiert Brecht'sche Sidesteps und Reflexionen. Bis Ahab, der holzbeinige Rächer, seine Interpretin selbst mitreißt. In eine Geschichte, die nur eines will - zum Ende kommen. Zum Showdown.

Theater am Lend, Graz, Fr-So, Di-Mi 20.00


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