Theater

Aus Karton und dennoch nicht von Pappe

Kritiken

Lexikon | Gregor Schenker | aus FALTER 39/08 vom 24.09.2008

Was passiert, wenn man Helmut Kraussers Beziehungs-Tour-de-Farce "Lederfresse" als postdramatisches Medienspektakel abfeiern will, aber dann die finanziellen Mittel dafür nicht bekommt? Entweder bläst man die ganze Geschichte ab, man drückt sie irgendwie durch, oder man kreiert die steirische Super-Lo-Fi-Variante "Ledergfrieß", die sich selber und die knappen Finanzen zum Thema macht. Die frischgebackene Gruppe t'eig hat sich glücklicherweise für letztere Variante entschieden. Markus Boxler hat aus Bierkisten und Bananenschachteln einen grandiosen Raum aus gleich mehreren Perspektiven gebastelt. Thomas Sobotka wird als Regisseur seinem Ruf als einer der innovativsten der Stadt gerecht und baut in die Geschichte vom erfolglosen Schriftsteller und seinem eigenartigen Hobby so viele Brüche ein, dass die pointiert boulvardesken Dialoge wie Solettis zu knacken beginnen. Darüber hat zwar die Rollenarbeit an den zwei Protagonisten ein wenig gelitten, Karin Gschiels und Christian Rucks energetische Performance macht dieses Manko aber locker wett. Prädikat: Klasse ohne Kasse.

TTZ, Graz, Fr-So, 20.00


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