Vor 20 Jahren im Falter

„Die am wenigsten hässliche Krot, die man schlucken musste“

Wir über uns | At | aus FALTER 40/08 vom 01.10.2008

Wie wir wurden, was wir waren

Auf einen Artikel von Werner A. Perger wollten wir warten, um dieses kleine Stück Zeitgeschichte ins Blatt zu rücken. Obwohl sich auch das Thema Geld in diesen Tagen für eine Reminiszenz geeignet hätte: „Geld regiert die Welt: Banken, Schulden, Perspektiven, Ansichten“.

Diesmal aber Perger. Oder zuerst: Rabl. Denn im Falter von vor 20 Jahren stand ein Interview mit Peter Rabl zu lesen, Oliver Lehmann hatte es gemacht. Der Anlass: Rabl war soeben als verantwortlicher Redakteur des „Inlandsreport“ im ORF zum Herausgeber des profil geworden.

Er hatte im ORF Schwierigkeiten bekommen, weil er es gewagt hatte, dem Bundespräsidenten ein paar kritische Fragen zu stellen. Der hieß Kurt Waldheim, und Peter Rabl beteuerte, sein Karrieresprung habe nichts mit dem Vorwurf der Rundfunkkommission zu tun, er habe in seinem Interview mit Kurt Waldheim das Objektivitätsgebot verletzt. Nein, sagte er, obwohl die Begründung der Kommission bezeichnenderweise noch nicht da sei. Jedoch: „Ich habe mich sehr geärgert, weil die Entscheidung die künftige Arbeit im ORF behindert. Dieses Erkenntnis sagt ja im Kern, dass auch die Frage in einem Interview dem Objektivitätsgebot entsprechen müsse, was ein Holler und ein Widersinn in sich ist.“

Andererseits habe es bei ORF nie auch nur den Versuch gegeben, ihn eine Geschichte nicht machen zu lassen. Und auch bei profil habe es „während der kurzen Gespräche, die er mit dem Eigentümervertreter geführt habe, „nicht einen Funken oder Nebensatz gegeben, der von mir inhaltliche Konzessionen verlangt hätte“.

Er betrachte es als eine seiner Hauptaufgaben, „die Unabhängigkeit der Redaktion sehr offensiv zu verteidigen“. Später sollte Rabl ja in Streit und Streik mit dieser damals offensiv unabhängigen Redaktion verwickelt werden.

Wo bleibt Perger? Da ist er, in der Frage des Interviewers: „Im Redaktionsstatut ist das Mitspracherecht der Redakteure bei der Bestellung des Herausgebers verankert. Der Vorschlag der Redaktion für den Herausgeber lautetet Werner A. Perger. Sie wurden dagegen vom Eigentümervertreter vorgeschlagen und nach einer Diskussionen von den Redakteuren mit großer Mehrheit akzeptiert. Wie haben Sie sie überzeugt?“

Rabl: „Ich war von allen Möglichkeiten für die Redaktion sicher die am wenigsten hässliche Krot, die man schlucken musste.“


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige