Post an den Falter

Liberalkonservativ im H & M-Outfit

Falter Welt | aus FALTER 40/08 vom 01.10.2008

Betr : Falter, Blattlinie insgesamt

Spätestens seit dem SPÖ-Brief an die Kronen Zeitung ist im Falter ein Schwenk zu beobachten, in dessen Folge etwas anderes als offene Blattlinie ausgebrochen zu sein scheint:

Des Falters Helden waren wochenlang fast nur ÖVP-Politiker, und während in Kommentaren und Hintergrundreportagen die SPÖ des demokratie- und sozialpolitischen Dolchstoßes geziehen und dafür gewatscht wird, lesen wir von den Vorzügen progressiver ÖVP-Familienpolitik und bürgerlicher Gesellschaftskonzepte. Das ist nicht mehr bohemien-bourgeois, das ist Liberalkonservativismus im H&M-Outfit.

Wenn man Blattlinien auch an Werbekunden ablesen kann, dann ist diese letzte Wahlkampfnummer recht vielsagend. Es eröffnet die ÖVP, dann folgt Grün, dann Liberal. Die SPÖ inseriert nicht (mehr). Warum wohl? Dafür malt ein Redaktionskommentar das drohende Ende Österreichs unter Faymann aus.

Der Falter war mal die einzige freche und gute Zeitung Österreichs. Er war ein dezentrales Organ politischer Meinung, erfrischend rotzpippig gegenüber Rot wie Schwarz, aber mit einer klaren linken Linie. Dass man sich nun von der „neuen“ SPÖ distanziert, ist verständlich. Doch warum der Umfaller in die Gegenrichtung? Der Falter liest sich mittlerweile oft wie eine urbanistische, selbstreferenzielle Wochenausgabe der Presse. An einem solchen Diskurs gibt es in Österreich ohnedies keinen Mangel, an kritischem linkem Journalismus hingegen schon.

berthold molden, Ludwig-Boltzmann-Institut für European History

and Public Spheres Wien 9


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