KommentarWien soll Rom werden

Ich wünsche den 30 Prozent, dass sie kriegen, was sie wählen!

Falter Welt | Thomas Glavinic | aus FALTER 40/08 vom 01.10.2008

Wahltag. Ich bin seit einigen Wochen in Rom. Ich laufe durch die Innenstadt, verwirrt, weil ich vor zwei Tagen begonnen habe, Leo Perutz’ „Die dritte Kugel“ zu lesen, dessen Historienstil mir geistige Zwangshandlungen auferlegt. Wisset Ihr kein Mittel wider die Suppenfresser und hirnschelligen Blackvögel? Solche Sätze will ich ständig dem Bäcker sagen, dem Wirt, vor allem dem Schweizergardisten, mit dem ich jeden Tag frühstücke. Um mich abzulenken, verschicke ich SMS, in denen ich um Wahltipps bitte. Meine Umfrage unter 16 Freunden ergibt: SP 29,6, VP 26,1, FP 18,2, Grün 12,2, BZÖ 7,8, LIF 2,8. Wie realistisch ist das? Wird der carinthische Narrenkönig erwinnen ihrer vieler Stimm’? Ich denke das wirklich, es denkt so in mir und hört nicht auf, es hört einfach nicht auf.

Im Internetcafé sehe ich die Hochrechnung, und die Luft ward mir geschmolzen’ Blei. Im ORF ein Kurzinterview mit Strache. Von Haider noch nichts. Drei von zehnnt leckten des Narren schorfig’ Hand,


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