KommentarVan der Bellens Schlappe

Die Grünen wirken alt. Aber die Alten werden nicht grün

Falter Welt | Florian Klenk | aus FALTER 40/08 vom 01.10.2008

Die Regierung ist zerstritten, die rechte Opposition auch. Und was widerfährt den Grünen? Sie verlieren Stimmen –im transitgeplagten Tirol sogar jeden fünften Wähler. Man kann diese Entwicklung nun fatalistisch sehen, so wie es Alexander Van der Bellen am Wahlsonntag tat. „Wir sind ein gallisches Dorf!“, scherzte der Obmann, und die Basis applaudierte. Aber grüne Strategen wissen längst, dass aus dem Dorf auch eine kleine Stadt werden könnte, vorausgesetzt, jemand macht den Häuptlingen endlich Beine, damit sie die Zäune zu neuen Wählerschichten einreißen. 20 Prozent der Österreicher könnten sich vorstellen, grün zu wählen. Doch nur die Hälfte tut es. Der Grund laut Grünen: die schrecklichen Populisten und diese böse heimische Provinz. So leicht ist es nicht. Ein Blick in die Wahlanalyse zeigt: Die Grünen sind eine Bildungsschichtpartei. Wer keine Matura hat, wählt sie nicht. Demografisch betrachtet sind sie auch keine Zukunftspartei mehr. Die Grünen werden alt, aber die Alten werden nicht grün. Im wachsenden Segment der Pensionisten tendieren sie gegen null. Selbst beim Tierschutz verschreckt die Partei die Senioren – Balluch sei Dank. Auch die Jungen versagen die Gefolgschaft, schon ein Blick ins Festzelt der Blauen zeigt es. Dort tanzt die (nicht nur rechte) Vorstadtjugend zu Falco auf den Tischen, während die FPÖ Bier und Würsteln ins Getümmel wirft. Die grünbewegte Jugend muss sich ab acht Uhr Bier und Krabbenschwänze selbst zahlen. Was geschehen muss? Die Grünen brauchen einen Ökopopulisten, einen, der Strache, Haider & Co klug und witzig attackiert, der anfeuert, abseits des Basiswapplertums. Van der Bellen wollte das nicht. Sein Nachfolger wird es wohl müssen. F


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