KommentarDer Wahltag aus Berliner Sicht

Es geht ein Ruck durchs Gedärm

Falter Welt | Eva Menasse | aus FALTER 40/08 vom 01.10.2008

Ich sitze in Berlin und staune, aber über mich selbst. Zum ersten Mal kokettierte ich mit dem Gedanken, gar nicht zu wählen, weil ich, den Anleitungen im Internet folgend, einfach nicht begriff, wie man sich eine Wahlkarte besorgt. Und zum ersten Mal ließen mich die Wellen der Erregung, die durch den Telefonhörer anbrandeten, fast völlig kalt. Sicher, bei einigen Reizworten (Strache, Haider, Dichand) gab es noch einen Ruck im Gedärm. Aber davon abgesehen bin ich offenbar so weit und so lange weg, dass mich die österreichischen Logiken nicht mehr erreichen. Dass man etwa die Grünen beinahe nicht mehr wählen darf, weil sie angeblich mit der ÖVP flirten, die ja wegen der Erbsünde von 2000 auf ewig des Teufels ist. Bei den Berichten über peinliche Antipatriotismusaktionen der jungen Grünen (irgendwas mit Hundehäuferln und unserer schönen Fahne, genau habe ich es nicht verstanden) hab ich einen Lachkrampf gekriegt. Sind also auch die Grünen auf dem gesamtösterreichischen Politikniveau


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