KommentarKampf um die Stadt

Blaues Wien? Das fahrlässige Schweigen der Rathaus-SPÖ

Falter Welt | Julia Ortner | aus FALTER 40/08 vom 01.10.2008

Hier kann man seine Klunker noch ohne Angst spazieren tragen. Die Parks sind hübsch bepflanzt, die Straßenbahn kommt pünktlich, und die Müllabfuhr funktioniert einwandfrei – nur mit dem alten Wohlfühlschmäh wird man auch im roten Wien keine Wahlen mehr gewinnen. Am Sonntag kassierte Michael Häupls absolut regierende SPÖ mit 35,8 Prozent der Stimmen ein 5,2-prozentiges Minus im Vergleich zur Nationalratswahl 2006 – und gerade die FPÖ holte sich stattliche 21,4 Prozent. Gemeinsam mit dem BZÖ stehen die Rechten jetzt bei 26,2 Prozent. Damit hat die Schlacht um Wien begonnen. Die Sozialdemokraten können froh sein, dass die Wiener Wahlen erst 2010 stattfinden. Sie sollten begreifen, dass nicht nur ihre angeschlagene Bundespartei Schuld am Debakel trägt. Klar, unter der rot-schwarzen Koalition hatten es Häupl und Co strategisch nicht so leicht wie damals als liberaler Gegenpol zu Schwarz-Blau. Nur heute machen die Roten den entscheidenden Fehler, so zu tun, als wäre Wien die heile Welt, anstatt offen über reale Probleme und Ängste zu reden: Klassen voller Kinder, die schlecht Deutsch sprechen; desolate Schulgebäude; Zuwandererkids, die schwer eine Lehrstelle finden; Gemeindebauten mit Konflikten zwischen Alteingesessenen und Migranten. Auf diese Art kann man den Rechten die Stadt gleich überlassen. F


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