KommentarWas die ÖVP falsch gemacht hat

Da capo für Rot-Schwarz macht Strache zum nächsten Kanzler

Falter Welt | Heidi Glück | aus FALTER 40/08 vom 01.10.2008

Achtzehn Monate große Koalition zum Abgewöhnen hat das dritte Lager in Österreich gestärkt. Der Populismus von links bis rechts hat gesiegt, Sachpolitik ist nicht gefragt. Milliardenschwere Wahlzuckerln, an denen der Erlagschein hängt, werden dankend angenommen. Ob es im Parlament eine Anti-EU-Mehrheit gibt, ist sekundär, weil wir uns sowieso lieber mit uns selbst beschäftigen. Die ehemaligen großen Parteien sind in Sachen Performance wie Stärke beim Mittelmaß angelangt. Für Liberal ist kein Platz. Grün hat seine Farbe verloren. Jetzt steht das Land blöd da mit der Perspektive, dass ein Dacapo für Rot-Schwarz Strache oder Haider zum übernächsten Kanzler macht. Das alles war wohl mit dem „Es reicht“ von Wilhelm Molterer nicht absehbar, aber eine handwerklich miserable Wahlwerbung und ein Schlingerkurs von Auch-ein-bisschen-sozial-Sein, eine halbe Prise Law & Order und Basel II als Antwort auf die internationale Finanzkrise waren zu ungefähr, als dass damit Wähler zu gewinnen waren. Die, die 2002 und 2006 noch an einen Zukunftskurs der ÖVP glaubten, sind weg. Die SPÖ freut sich über das allerschlechteste Wahlergebnis aller Zeiten und wird unter Mithilfe des Bundespräsidenten die ÖVP in die Rolle drängen, jetzt das Wohl der Republik gefälligst vor das Partei-Ego zu stellen. Regierungsverantwortung und Populismus vertragen sich aber schlecht. F


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