MediaforschungNachfragekolumne

„Warum sehen wir wieder nackte Pöpsche, Herr Glassner?“

Medien | Barbara Tóth | aus FALTER 40/08 vom 01.10.2008

Sie sind nicht flächendeckend präsent, aber an den wenigen Stellen, wo sie hängen, fallen sie auf: die fünf mit zarten Strümpfen bekleideten Damen, die ihre hübschen Rückseiten präsentieren. Passanten, deren Erwachsenenerinnerung mehr als ein Jahrzehnt zurückreicht, beschert das Palmers-Sujet im Breitbandformat ein Déjà-vu. Erstmals wurde es nämlich 1997 plakatiert. Damals warb die Unterwäschefirma für ihre neue Strumpfkollektion – und sorgte nicht nur für Auffahrunfälle, sondern auch für Aufruhr unter Feministinnen. Vielen galten die makellosen Beinahenackten eben doch nur als ästhetische Interpretation eines Spindposters. Nicht zu Unrecht. Die fünf Strumpfträgerinnen, die es in jeder Palmers-Filiale im Kleinformat zu kaufen gab, schafften es in Folge auf die Toiletten vieler Studenten-WGs. Hier konnten angehende Akademiker auf Pöpsche starren, ohne gleich als primitiv zu gelten. Warum aber hängen sie nun wieder? „Reine Imagewerbung“, heißt es in der Palmers-Konzernzentrale. Das Unternehmen hat seit einigen Jahren ein lebenslängliches Copyright auf das Bild und verwendet es nach Belieben wieder, auch wenn die vor elf Jahren präsentierten hautfarbenen Strümpfe nur mehr zum Teil im Sortiment sind. Für den Wiener Mark Glassner, den Fotografen des Bildes, ist vor allem eines erstaunlich: „Dass in der schnelllebigen Modewelt ein Werk so lange überleben kann.“ Palmers wollte damals keine anonymen Beine, sondern auch die Frauen dazu zeigen. Nachdem Slips und BHs vom eigentlichen Produkt, den Strümpfen, abgelenkt hätten, entschied man sich für die Variante Rückenansicht. Glassner fotografiert inzwischen unter anderem für das Magazin Fleisch. Aviso an alle Jungs, die jetzt überlegen, die nächste Palmers-Filiale aufzusuchen: Das Plakat gibt es diesmal nicht mehr zu kaufen.


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