Clowns im Paranoia-Park der Coen-Brüder

Feuilleton | Joachim Schätz | aus FALTER 40/08 vom 01.10.2008

Die Spionagefarce „Burn After Reading“ umwirbt ihre Darsteller, aber verachtet ihre Figuren

Behaupte niemand, Ethan und Joel Coen würden ihren dauerhippen Sarkasmus nicht gern auch mal gegen sich selbst richten: Schon seit ihr Erstling „Blood Simple“ (1984) die Arthouse-Kinos dieser Welt eroberte, wird den Spaßvögeln aus Minnesota der Gestus kaltschnäuziger Amüsiertheit angekreidet, mit dem sie Film für Film zuschauen, wie sich ihre einfältigen Charaktere immer tiefer in die Scheiße reiten. Menschenverachtende Scherzkekse? Wir? Na, aber sicher!

„Burn After Reading“, der 13. abendfüllende Film des Brüderpaars, wirkt, als wäre er vorsätzlich am Familien-Reißbrett entworfen worden, um solche Einwände zu bestätigen – von der allerersten Einstellung an: Während die Credits auf der Leinwand aufblitzen, gleitet die Kamera aus erhabener Distanz auf den Erdball hinunter und nimmt die US-Ostküste ins Visier. Am Boden angekommen, filmen die Coens ihre humanoiden Fundstücke


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